Es regnet Ponys
Donnerstag, 29. April 2010
Nacharbeiten
Jetzt muss ich nacharbeiten. Es gäbe so viel zu erzählen. Ich fürchte jedoch, dass der Gedächtniskobold in meinem Kopf sich irgendwann mit fest verschränkten Armen hochmütig schmollend in die Ecke gesetzt hat. Auch das Angebot, viel in mein Notizbüchlein zu schreiben, konnte ihn nicht dazu bewegen, seine Arbeit regelmäßig zu tun. Nun ja, ich muss also damit auskommen, was er aufzunehmen bereit war. Zunächst ein Bericht über den Besuch von Mann und einem Freund.

Meine mutigen Besucher
Meine beiden mutigen Besucher haben mir gezeigt, dass man das, wofür ich vier Wochen gebraucht habe, auch in drei Tagen schaffen kann. Damit meine ich nicht das Anschauen irgendwelcher Sehenswürdigkeiten, sondern eher das Sich-Die-Stadt-Untertan-Machen. Statt meinem Rat zu folgen und vom Flughafen mit dem Taxi in die Stadt zu fahren, haben die beiden Sparfüchse den Bus genommen. Beim ersten Spaziergang haben sie am nächstbesten Straßenimbiss gegessen. Naja und alles andere, was mich so viel Überwindung gekostet und Tage beschäftigt hat, haben sie mit ihrer Berliner Weltgewandtheit einfach erledigt.
Schocken konnte sie nur noch ein besonders übles Viertelchen der Altstadt jenseits der Altstadt. Wir waren zufällig dort hineingeraten. Das Beinahe-Verirren in den verwinkelten Gässchen hätte es nicht gebraucht. Das blutige Ausnehmen von Fischen mitten im größten Dreck war noch das Erträglichste.

Reiseführerfahne
Ich habe mit der Fakultät einen Ausflug gemacht und war somit Teil einer chinesischen Reisegruppe. Eine sonderbare Erfahrung. Ich will das nie wieder erleben und würde einer weiteren Reise freudestrahlend zusagen.
Ich werde die Tage mal ausführlich darüber berichten. An dieser Stelle nur so viel: Dank meiner fantastischen Kontakte zu allen wichtigen Menschen der Stadt haben meine Besucher während meiner Abwesenheit direkt gegenüber von Schumis Box gesessen und sich die Ohren zugehalten.

Premieren
Der Besuch durfte auch vorgezogene Premieren erleben:
1. Die Metrostation in meiner Straße ist offen! Das heißt, ich kann jetzt vor der Haustür ein- und direkt auf der Nanjing Road wieder aussteigen. Herrlich. Die 100.000 fleißigen Arbeiter haben die Station mindestens zwei Wochen vor Plan fertig gehabt. Tjaja,….man braucht sich gar nicht fragen, woher in China das Wirtschaftswachstum kommt. Und das, obwohl ihnen nur die primitivsten Mittel zur Verfügung stehen. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe, aber ich tue es, im Zweifelsfalle wieder, voller Begeisterung: Zement wird entweder auf dem Boden oder in einem Sicherheitshelm gemischt und es gibt Einsatzmöglichkeiten für einen Hammer, von denen unsere Handwerker nicht im Entferntesten eine Ahnung haben.
Die zweite Premiere: Die Baustelle am Bund ist weg. Der Park ist also wieder zu betreten, das jenseitige Ufer kann in all seiner Pracht genossen werden. Moment – habe ich „Park“ geschrieben….ja, tatsächlich. Nun, Betonwüste wäre wohl der geeignetere Ausdruck. Aber da ich es aufgegeben habe, hier noch auf Idylle zu hoffen, nehme ich es amüsiert hin. Bei den Menschenmassen, die sich über die Promenade quälen, würde Natur vermutlich ohnehin nicht lange überleben.

Wunderort
Endlich habe ich die vielgepriesene Bar mit Aussicht auf Pudong besucht. Was für ein wunderbarer Ort. Wenn man aus Regen und Kälte kommt, ist die Atmosphäre in diesem spärlich beleuchteten Raum einfach herrlich. Es war nicht viel los, die wenigen Besucher haben sich leise unterhalten. Ganz wohlig war´s. Die Cocktails sind erschwinglich und die Aussicht....atemberaubend. Wer hätte gedacht, dass Wolkenkratzer bei Nacht wie Feuer sind: Man kann stundenlang darauf starren, ohne dass einem langweilig wird.

Fußball
Hübsches Stadion, seltsame Fans mit mangelnden Englischkenntnissen. Jede Kurve für sich, aber Hauptsache: We are always be at your side.

Boot fahren
Im schönsten Park Shanghais - zumindest bei Sonnenschein. Aber natürlich hat es in Strömen geregnet. Wir haben uns trotzdem nicht beirren lassen und zwei U-Boote mit Schießgewehr gemietet. Die Boote hatten zwar Dächer, aber ich bin trotzdem nass geworden, da die beiden Herren sich wacklige Verfolgungsjagden bei Tempo 5 geliefert haben. Dafür konnte ich schießen. Pöh! Zumindest mit einer Vorrichtung, aus der halb ummantelte Kabel hingen, entsprechende Geräusche machen. Untergegangen ist aber niemand.

Glückseligkeit
Ich habe die Tage mit Mann so genossen. Mit ihm erkundet, erscheint mir die Stadt nun nochmal ein wenig schöner. Gemeinsam ziellos herumschlendern, sich dabei gegenseitig Unsinn erzählen, auch ein paar kluge Gedanken austauschen und dann ein wenig freundlich zanken - diese Beschäftigung gehört wohl zu den schönsten, die mein Leben so zu bieten hat. Daher war ich sehr glücklich, ihr endlich mal wieder nachzugehen.
Die Stunden um die Abreise der beiden waren dank eines offensichtlich muffligen Vulkans recht spannend, so dass nicht viel Raum für Traurigkeit blieb. Zurück also zu Mini allein in Shanghai. Von unserem gemeinsamen Ausflug nach Hangzhou erzähle ich wann anders.

Bisschen Schmuddelporno
Wer verbrät den bekloppten Sightseeing-Tunnel als Visual im Konzert? Peaches.
Woho, das nenn ich eine Show. Man will ja nur unterhalten werden. Und darauf versteht sich die Dame. Ich jedenfalls habe noch nie jemanden auf Händen des Publikums laufen sehen.
Das Konzert hatte vermutlich nicht mehr viel mit denen von früher zu tun. Ich habe keinen Vergleich, nehme aber an, dass die Show nun massentauglich geworden ist. Gut so! Die Menge hat ordentlich gefeiert - was sicher auch daran lag, dass einem die Künstlerin aus dem Westen ein wenig Heimat mitgebracht hat. Da konnte sie auf der Bühe treiben, was sie wollte.
Die Location ist eine der schönsten, die ich je gesehen habe. Wohnzimmer und Konzerthalle gleichzeitig. Gratulation an die Architekten und Akustik-Bastler.
Wenn ihr also mal nach Shanghai fahrt, schaut euch ein Konzert im Mao Livehouse an. Toll, toll, toll!

[paka]!

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Eine neue Heimat finden
So, ich bin umgezogen. Herzlich Willkommen in meiner neuen Heimat. Mal sehen, ob ich irgendwann wieder zurück kann.

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Letzte Aktualisierung: 2010.09.26, 23:30
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